Bishnoi, Tierliebe bis in den Tod

Auf indischer Erde sind viele Religionen gewachsen.

Die bekanntesten sind sicher der Hinduismus, Buddhismus, oder auch der Janismus. Allen drei Religionen ist gemeinsam das Gebot des “Ahimsa”, oft mit “Nichtverletzen” oder “Gewaltlosigkeit” übersetzt. Aber es ist tatsächlich mehr – eine positive Einstellung zu allem Lebendigen, eine allumfassende Güte, die (Nächsten-)Liebe zur gesamten Mitgeschöpflichkeit beinhaltet.

In Europa weniger bekannt, ist der Volksstamm der Bishnoi aus dem Nordwesten Indiens, heute vor allem um die Stadt Jodhpur ansässig. Dessen Angehörige versuchen die in ihrem Gebiet lebenden Tiere, wie auch die Pflanzenwelt zu erhalten und sie notfalls gar mit ihrem eigenen Leben zu verteidigen. Sie folgen Regeln einer Religion, die vor rund 500 Jahren ihr Lehrer Jambaji (auch Jambeshwar) aufgestellt hat. Zum Wohle der dort im verödeten Land darbenden Menschen, verfasste er einst 29 religiöse und ökologische Regeln (im lokalen Dialekt besagt 29 das Wort Bishnoi). Dabei steht das Prinzip des Schutzes der gesamten Natur in seiner Vielfalt über allem.

So werden beispielsweise Bäume nicht gefällt, sondern man wartet bis sie absterben, oder bei einem Sturm von selbst umfallen, dann erst wird das Holz verwertet. Die Bishnoi riskieren alles für den Schutz der Natur. Maharadscha Abbay Singh aus Jodhpur benötigte einst Holz für den Bau seiner Gemächer und sandte seine Männer aus, um dafür Bäume zu fällen. Die Anwohner umarmten zum Schutz die geliebten Bäume mit ihren Körpern, doch die Arbeiter ließen sich davon nicht beeindrucken und fällten die Bäume. 366 Bishnoi kamen damals ums Leben. Der Maharadscha war darüber verzweifelt und untersagte sofort per Dekret – das noch heute nach über 200 Jahren in Kraft ist – Bäumefällen, sowie die Jagd in diesem Bishnoi-Gebiet.

Bishnoi sind natürlich Vegetarier und lieber hungert man selbst, als Tiere hungern zu lassen. “Tiere sind uns heilig” erklären selbst kleine Kinder, die man nach ihren Einstellung befragt.

So auch nur das Gerücht auftaucht, dass ein Jäger Bishnoi-Land unsicher macht, versammeln sich alle Dorfbewohner um diesem eine gehörige Lektion zu erteilen. Einmal ertappte man einen Hauptmann der Armee, der jagte. Die Bishnoi zwangen ihn sich nackt auszuziehen und sich mitten im Sommer in den heißen Wüstensand zu legen. “Der wird nie wieder von der Jagd träumen” so der knappe Kommentar eines Beteiligten.

Harsh Varhan, ein Reporter, der 1975 einen Bericht über die Bishnoi verfasste, kam zufällig in eine Dorfhütte und sah eine junge Frau in einer Ecke kauern. Neben ihr stand eine junge Gazelle. Der Bishnoi-Begleiter, der ihm bei der Reportage als Dolmetscher zur Seite stand, sprach mit ihr und die Frau entblößte daraufhin die Brust und stillte das Tierkind. Die Erklärung: Die Mutter der Gazelle war vor einigen Tagen in der Nähe des Dorfes getötet worden. Die Wilderer waren zwar entkommen, aber man hatte zumindest das Junge retten können. Nun zog man es mit Frauenmilch auf – der Milch einer Bisnhnoi-Frau. Varhan war wie betäubt und konnte sich nur noch voller Ehrfurcht verneigen – und hat bis zum heutigen Tage dieses Bild vor Augen. Die allumfassende Mitgeschöpflichkeit der Bishnoi hatte ihn für immer in ihren Bann gezogen. Bishnoi-Lehren besagen, dass Tiere die sichtbare Erscheinung Gottes darstellen, und alle Lebensformen auf dieser Erde die gleichen Rechte haben.

Welch positiver, wohltuender Gegenpol zu den anthropozentischen seit Jahrtausenden in Blut und Unterdrückung watenden Pseudo-Christen und einer bis in die heutigen Tage unfähigen, hochnäsigen “christlichen” Amtskirche, die Tiere und Natur, mit manipulierten Bibeltexten in der Hand, zu beliebig nutzbaren und nicht liebeswerten Ressourcen degradiert ! Blanke Missachtung der Tiere flimmert dem gutgläubigen Leser vor den Augen, z.B. beim Studieren des Katholischen Katechismus: Nr.2417 “Gott hat die Tiere unter die Herrschaft des Menschen gestellt, den er nach seinem Bild geschaffen hat. Somit darf man sich der Tiere zur Ernährung und Herstellung von Kleidern bedienen. man darf sie zähmen, um sie dem Menschen bei der Arbeit und in der Freizeit dienstbar zu machen. Medizinische und wissenschaftliche Tierversuche sind in vernünftigen Grenzen sittlich zulässig, weil sie dazu beitragen, menschliches Leben zu heilen und zu retten.“ Oder: Nr. 2418 ” (…) Auch ist es unwürdig, für sie (die Tiere) Geld auszugeben, das in erster Linie menschliche Not lindern sollte. Man darf Tiere gern haben, soll ihnen aber nicht die Liebe zuwenden, die einzig Menschen gebührt.“

“Nächstenliebe” – rassistisch beschränkt auf eine auserwählte Spezies?

Pfaffenworte müssen dem andachtsvoll lauschenden Kirchenbesucher so wie heuchlerisches Gespött in den Ohren klingeln, wenn der Kirchen-Kanzelredner Kriegshandlungen gegen Tiere seinen Segen erteilt, oder mit salbungsvollem Brimborium auf Hubertusmessen Tierleichen beweihräuchert. Die Mitgeschöpflichkeit verhöhnende und in den Schmutz tretende Verhaltensweisen werden als Gottes Wille auf Erden gehandelt, während eine allumfassende, christliche, kirchensteuerfreie Nächstenliebe, wie von Jesus und Urchristen gepredigt und praktiziert, im Würgegriff der Kirchenadministration verröchelt. Quo vadis Amtskirche? Wen wundert’s, wenn immer mehr ernsthafte Christen dieser Institution den Rücken kehren?

Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 31. August 2011 um 06:10 Uhr
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